Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) kritisiert die Ablehnung der Zuckersteuer beim CDU-Parteitag. Eine am Zuckergehalt orientierte Herstellerabgabe auf Softdrinks ist eine notwendige Maßnahme für die Aufrechterhaltung der Produktivität, Entlastung des Gesundheitssystems und die Krankheitsvorsorge bei Kindern und Jugendlichen. Die geplante Bundesratsinitiative sollte die wirtschaftspolitischen Auswirkungen des übermäßigen Zuckerkonsums stärker in den Fokus nehmen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine Debatte über zu viele krankheitsbedingte Fehltage angestoßen, doch seine CDU lehnt eine Zuckersteuer trotz guter, faktenbasierter Argumente der Antragsteller aus Schleswig-Holstein ab. Das überrascht, denn insbesondere stark zuckerhaltige Getränke sind einer der Hauptverursacher von Adipositas und vielen erworbenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie verursachen also viele krankheitsbedingte Fehltage mit.
Das FÖS hat bereits 2025 in einer Studie gezeigt, dass übermäßiger Zuckerkonsum das Gesundheitssystem jährlich mit knapp 12 Milliarden Euro belastet. Dazu kommen weitere Milliarden aufgrund von Produktivitätsverlusten durch krankheitsbedinge Ausfälle. Kosten, die vermeidbar sind und mit Grund dafür sind, dass es immer wieder Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt für das Gesundheitssystem geben muss.
Internationale Erfahrungen belegen die Wirksamkeit von Steueranreizen: In Mexiko beispielsweise sank der Konsum stark zuckerhaltiger Getränke nach Einführung einer Abgabe deutlich, während der Wasserkonsum stieg und die Karieshäufigkeit zurückging. Deutschland setzt hingegen auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie, was lediglich zu einer Reduktion des Zuckergehalts um 2 Prozent zwischen 2015 und 2021 führte. Weitere Länder mit einer Zuckersteuer wie Großbritannien oder Frankreich erreichen Reduktionen des Zuckergehalts von fast 30 Prozent.
Dr. Beate Richter, Referentin für Agrarpolitik, erklärt: „Die Gesundheitskosten unseres Zuckerkonsums sind immens. Eine klug gestaltete Herstellerabgabe für zuckerhaltige Getränke macht diese versteckten Kosten sichtbar und zu einem Faktor bei Konsumentscheidungen. Aber eine Zuckersteuer allein reicht nicht aus; weitere Maßnahmen, wie Werbeverbote für zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke, besonders solche, die sich direkt an Kinder und Jugendliche richten, Aufklärungskampagnen, und zuckerarme Gemeinschaftsverpflegung, sind erforderlich. Wer hohe Fehlzeiten beklagt, darf die Ursachen chronischer Krankheiten nicht ignorieren. Die Zuckersteuer kann dabei ein wesentlicher Baustein sein.“
Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des FÖS, betont: „Wir können es uns nicht mehr leisten, die Folgekosten schlechter Ernährung zu sozialisieren, während Gewinne aus überzuckerten Produkten privatisiert werden. Schon 116 Länder weltweit haben mittlerweile Erfahrungen mit einer Zuckersteuer. Es zeigt sich: Wenn es den Herstellern finanziell wehtut, werden Rezepturen gesünder. In Deutschland verharren wir bei wirkungslosen Appellen zur Eigenverantwortung, während das Gesundheitssystem unter der Last vermeidbarer Krankheiten wie Typ-2-Diabetes ächzt. Es ist überfällig, dass sich die wirtschafts- und gesundheitspolitische Vernunft sich zumindest im Bundesrat durchsetzt und die Initiative für die nachgewiesen wirksame Zuckersteuer beschlossen wird. Das nützt auch der Haushaltskonsolidierung.“
Die Studie ist zu finden unter: https://foes.de/publikationen/2025/2025_04_FOES_Versteckte_Kosten_der_Ernaehrung.pdf
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Beate Richter, beate.richter@foes.de
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