Berlin, 15.10. 2026

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Vermögen und Klimakrise: Das Verursacherprinzip weiterdenken

Klimaverantwortung entsteht nicht nur durch Konsum, sondern auch durch Eigentum. Eine neue FÖS-Studie zeigt, wie stark die Klimaschuld aus Unternehmenseigentum beim reichsten 1 Prozent konzentriert ist.

 

Die Klimapolitik konzentriert sich bislang vor allem auf Emissionen aus Produktion und Konsum. Eine neue Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace in Central and Eastern Europe untersucht eine andere Dimension: Wem gehören die Unternehmen und Anlagen, die Emissionen verursachen?

 

Die Untersuchung zeigt, dass die Klimaverantwortung besonders bei Menschen mit großen Vermögen liegt. Wer Anteile an Unternehmen hält, profitiert von deren Aktivitäten und trägt damit auch Verantwortung für deren Emissionen. Die Studie ordnet deshalb die direkten Emissionen eines Unternehmens entsprechend den Eigentumsanteilen den Anteilseignern zu.

 

300 Milliarden Euro Klimaschuld beim reichsten 1 Prozent

Für das vermögendste 1% der Bevölkerung in 24 untersuchten EU-Mitgliedstaaten ergibt sich für 2022 eine geschätzte Klimaschuld aus Unternehmenseigentum von rund 300 Milliarden Euro im Jahr 2022. Die geschätzte konsumbezogene Klimaschuld liegt mit 80 Milliarden Euro deutlich niedriger. Diese Summe entspricht dem geschätzten Wert der Klimaschäden durch Emissionen, die über einen gleichen Pro-Kopf-Anteil am verbleibenden CO₂-Budget hinausgehen. Sie ist als Maß für den Beitrag verschiedener Gruppen zum Klimawandel zu verstehen.

 

„CO₂-Preise setzen wichtige Anreize, Emissionen zu senken. Ein Großteil der Kosten trifft jedoch die Verbraucherinnen und Verbraucher. Das Verursacherprinzip muss aber auch dort gelten, wo Emissionen durch Eigentum, Investitionen und Kapitalerträge entstehen. Für sehr große Vermögen fehlt bislang ein Instrument, das gezielt klimafreundliche Investitionen fördert. Unsere Studie zeigt, dass sich die Klimaschuld aus Unternehmenseigentum stark beim reichsten 1 Prozent konzentriert. Eine klimabezogene Vermögensteuer könnte helfen, diese Verantwortung stärker einzubeziehen“ sagt Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) e.V.

 

Datenlücken bei den größten Vermögen

Wie stark sich die Klimaverantwortung an der Spitze konzentriert, bleibt allerdings unklar. Für das reichste 0,1 Prozent fehlen detaillierte Daten, ebenso für Zypern, Luxemburg und die Niederlande. Die Studie verweist auf die Schwierigkeit, die tatsächlichen Eigentümer von Vermögenswerten zu ermitteln. Komplexe Beteiligungsstrukturen, Stiftungen, Trusts und andere Vermögenskonstruktionen erschweren die Erfassung der tatsächlichen Eigentumsverhältnisse.

 

„Je größer die Vermögen, desto unschärfer wird das Bild. Komplexe Eigentumsstrukturen erschweren es, Vermögen und die damit verbundenen Emissionen eindeutig zuzuordnen. Wir brauchen bessere Daten und mehr Transparenz zu den Vermögen der reichsten 1%.“ fordert Jana Leutner, Hauptautorin der Studie und wissenschaftliche Referentin für Öffentliche Finanzen beim FÖS.

 

Neue Einnahmen für Europas Zukunftsaufgaben

Die Studie erscheint mitten in der Debatte über die Finanzierung des EU-Haushalts 2028 bis 2034. Die EU steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen: Klimaschutz, Klimaanpassung, Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Resilienz sowie die Rückzahlung der NextGenerationEU-Schulden erfordern zusätzliche öffentliche Mittel.

Die Studie liefert einen neuen Beitrag zur Debatte über Verantwortung und Finanzierungskraft besonders vermögender Bevölkerungsgruppen und zeigt, welchen Beitrag eine Vermögensteuer zur Gegenfinanzierung von klimabedingten Schäden als auch zur Finanzierung europäischer Zukunftsaufgaben beitragen könnte.

 

Ein Beispiel: Eine effektive Mindeststeuer von 2 Prozent auf Nettovermögen über 100 Millionen Euro könnte laut einer in der Studie zitierten Berechnung EU-weit rund 67 Milliarden Euro pro Jahr einbringen. Diese Steuer wäre nicht als direkte Begleichung der berechneten Klimaschuld zu verstehen, zeigt aber, wie stark große Vermögen zur Finanzierung gemeinsamer Aufgaben beitragen könnten.

 

 

Die vollständige Studie mit Daten für die einzelnen EU-Mitgliedstaaten sowie detaillierten Analysen zu Belgien, Frankreich, Italien, Spanien und Ungarn finden Sie hier: 2026-10_FOES_GPI_ClimateDebt_EU_Report.pdf

 

 

Über uns: 

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. (FÖS) ist ein überparteilicher und unabhängiger politischer Think Tank. Es engagiert sich seit 1994 für eine Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft und ist gegenüber Entscheidungsträger:innen und Multiplikator:innen Anstoßgeber und Konsensstifter. Das FÖS setzt sich für eine kontinuierliche ökologische Finanzreform ein, die die ökologische Zukunftsfähigkeit ebenso nachhaltig verbessert wie die Wirtschaftskraft.

 

Pressekontakt:

Jana Leutner, Wissenschaftliche Referentin für Öffentliche Finanzen

E-Mail: jana.leutner@foes.de  

 

 
 

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